Greetings, fellow Eastern art appreciators! Willkommen auf dem Wegwerfblog!
Ihr wisst Bescheid - wenn ihr hier gelandet seid, dann findet bei Awkward Dangos die regelmäßige Lesenacht statt, und ich bin wieder dabei, hoffentlich wieder mit einer ebensolchen Regelmäßigkeit.
Eigentlich sind beide Feiertage vorbei, manch einer erklärt höchstens den heutigen Tag zum Brückentag und nimmt sich Urlaub. Trotzdem möchte ich hier Halloween nachholen.
Ich wohne seit meinem Umzug nur ein paar Schritte von einem Kindergarten entfernt. Es ist ein von der evangelischen Gemeinde finanzierter Kindergarten, dementsprechende Voraussetzungen müssen die Erzieherinnen mitbringen, wenn sie sich dort bewerben. Aber dennoch ziehen die Kinder dort zu Halloween los und fordern Süßes ein, ihnen ist es natürlich nicht bewusst (und auch egal), was die ganze Verkleidung und die ganzen Umzüge für eine Bedeutung haben. Ich würde mich trotzdem gerne mal, wenn nicht unbedingt mit diesem Kindergarten, dann vielleicht mit der Gemeinde, darüber unterhalten, ob und wieso ein evangelischer Kindergarten eine eigentlich heidnische Tradition übernimmt.
Das hat mit der Lesenacht aber nicht unbedingt was zu tun, kommen wir deshalb ohne Umschweife zur Leseplanung! Gelesen wird:
(für jeden Titel ein eigener Link)
englische Ausgabe von Viz Media
Junji Ito kennen wir hierzulande durch Uzumaki, seiner wahrscheinlich gelungensten Arbeit. Er hat einen unverkennbaren Stil, den er sich erst noch von Kazuo Umezu abgeschaut, später aber mit seiner eigenen Note perfektioniert hat, seitdem ist er ein etablierter Horrorautor und darf in keiner Liste oder Empfehlung fehlen - zu Recht.
Längere Serien kann Ito zwar auch (neben Gyo und dem schon erwähnten Uzumaki vor allem Tomie), seine eigentliche Stärke liegt aber in den Kurzgeschichten. Davon hat er so viele zu Papier gebracht, dass die japanische Gesamtausgabe aller dieser Kurzgeschichten stolze 18 Sammelbände umfasst. Achtzehn! "Shiver", "Frankenstein" und "Fragments of Horror" stellen eine Auswahl für die Leserschaft in Übersee dar
Suehiro Maruos Der Lachende Vampir
deutsche Ausgabe von Reprodukt
Auch Suehiro Maruo ist ein bekannter Horrorautor, aber im Vergleich zu Ito ist der Name in Deutschland nur wenigen Fans bekannt. Liegt teils daran, dass sicher nicht jeder mit seinem Stil warm werden kann, teils aber auch daran, dass einfach nichts von ihm hier veröffentlicht wird. Irgendwo auch zu Recht, sein "Mr. Arashi's Amazing Freak Show" z. B. hätte gute Chancen, hier auf dem Index zu landen - Maruo hält sich nicht zurück, weder beim Gore noch bei der Gewaltdarstellung.
Der Lachende Vampir ist, verglichen mit anderen Maruos, eher zahm, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen.
Usamaru Furuyas Lychee Light Club
englische Ausgabe von Vertical
Eigentlich ist Furuya kein reiner Horrorautor, auch wenn Gewalt, Gore und Horror seinen Werken nicht fremd sind, er zeigt eher das Ausgefallene und Außergewöhnliche. Dennoch ist gerade Lychee Light Club von einer bedrohlichen, sogar böswilligen Atmosphäre geprägt, ausgelöst vorrangig durch die Kulisse einer gesichtslosen Industriestadt und einer modernistischen Ästhetik (denkt an Deutschland in den 1920ern und 30ern). Und wenn man dazu noch bedenkt, dass Lychee Light Club eigentlich die Umsetzung des gleichnamigen Grand-Guignol-Theaterstücks ist, dann ist es nur natürlich, Beklemmung zu verspüren.
Hideshi Hinos Red Snake
deutsche Ausgabe von Schreiber & Leser
Hideshi Hino indes ist mir völlig unbekannt. Nein, wirklich, ich kannte bis dato weder den Namen noch irgendein Werk, trotz Wikipedia. Hier gehe ich blind rein und lasse Red Snake (übrigens der einzige Band, der bei S&L noch nicht vergriffen ist), einfach auf mich zukommen.
In diesem Sinne - möge das Gruseln beginnen!
19:00
Litschi, La-Litschi, La-La-Litschi!
21:45
...Wow. Kann sein, dass ich heute bei jedem Manga so reagieren werde, aber trotzdem: Wow.
Lychee Light Club kommt raus, wenn man ein bisschen Absurdität, einen Hauch Faschismus, eine Prise Homoerotik und eine Portion Frankenstein miteinander verrührt. Ungefähr so:
Die Homoerotik erspare ich euch. ;)
Ein paar Jungs bauen also auf eigene Faust einen Roboter. Wozu? Nun, der Roboter soll ihnen ein Mädchen fangen. Fangen, denn die Mädchen in dieser Stadt wollen mit Jungs nichts zu tun haben. Ganz besonders mit diesen Jungs:
Damit der Roboter nicht irgendein Mädchen fängt, sondern ein besonders schönes, baut der Programmierer ihm das Konzept der Menschlichkeit ein. Damit fangen die Probleme aber erst recht an, denn der Roboter schleppt tatsächlich ein schönes Mädchen an. Und damit beginnt der Untergang des Light Clubs.
Gearbeitet wird sehr viel mit Symbolik:
Na, wer kann hier alle Symbole benennen?
Was mir übrigens besonders gefällt, ist die Perspektive des Roboters, die ist verpixelt:
Insgesamt ein ziemlich cooler Manga, weniger aufgrund der Story, die ist eher durchschnittlich, mehr wegen der tollen Zeichnungen. Der Manga ist trotzdem eher was für Hartgesottene: einige Bilder und Szenen sind sehr, sehr, sehr grausam. Wer schon das Gruppenbild weiter oben grenzwertig findet: es geht in diesem Manga noch viel schlimmer. Für einen Horrorabend also geradezu ideal.
Für einen Horrorabend übrigens auch noch ideal: Ginger Beer. Vor allem, wenn man nicht weiß, was das ist und nur auf Ingwer gefasst ist, nicht auf die Kohlensäure.
Weiter geht es nun mit:
dem großen Zittern, oder besser: Shiver.
00:20
...Wow. Ich weiß, so habe ich vorhin schon reagiert, aber trotzdem: Wow.
Kurzgeschichten wie in dieser Sammlung kann Ito am besten. Wobei diese hier gar nicht so kurz sind: die 9 Geschichten kommen zusammen auf knapp 400 Seiten, genau die richtige Länge, um eine Idee einzufangen und vernünftig zu entwickeln. Das ist z. B. "Gyo" zum Verhängnis geworden: die eine Idee lässt sich einfach nicht auf so viele Seiten strecken, darum ist es auch nicht so gut. Und die genau richtige Länge ist auch das Erfolgsrezept von "Uzumaki": es ist wie eine Kurzgeschichtensammlung aufgebaut, durch die sich ein roter Faden zieht.
Diesen gibt es hier nicht, die Geschichten sind hier allesamt alleinstehend. Und sie sind so verschieden, dass man sich fragen MUSS, woher der Autor all diese Ideen nimmt. Zum Glück verrät er uns das - die Geschichten für diesen Sammelband wurden vom Autor persönlich ausgesucht, und er hat auch zu jeder ein paar Notizen und einen Begleittext beigesteuert, in dem es hauptsächlich darum geht, wie die dazugehörige Geschichte entstanden war. So lernt man einiges über den Autor.
Ansonsten ist das alles typisch Ito: scheinbar alltägliche Dinge, auch solche, wo es schwer fällt, darüber zu sprechen, nehmen plötzlich eine übernatürliche Wendung an. Kennt man zur Genüge, aber da der Anlass, der Gegenstand immer ein neuer ist, wird das auch nie langweilig. Sei es eine alte Schallplatte mit einer gruseligen Entstehungsgeschichte oder der Umgang mit Traditionen und Erinnerungen, einmal sogar ein Sujet frei nach Hitchcock: eine übernatürliche (und tödliche) Erscheinung, die wie in "Die Vögel" einfach auftaucht - egal was, es ist immer wieder interessant.
Auch die Zeichnungen sind typisch Ito. Sofort erkennbar (diese markanten und spitzen männlichen Gesichter bekommt nur er so hin)
und eindrucksvoll genug, um einen echten Gruseleffekt hervorzurufen:
Und natürlich dürfen auch die Ito-typischen leeren Augen nicht fehlen:
Ein Manga geht noch - und ich hätte nichts dagegen, sofort wieder einen Ito zu lesen. Ob der Würfel es mir ermöglicht?
Nein, so gnädig war der Würfen nicht. Dafür darf ich mich mit Hideshi Hino und seinem Red Snake bekannt machen! Ich bin gespannt.
01:30
...Was war das denn.
Nein, im Ernst, ich bin baff. Das ist so, SO anders als die beiden Manga vorher, das kam wirklich unerwartet.
Zuallererst muss man festhalten: Hino ist ein Zeichner der alten Schule. Der ganz alten Schule:
Erinnert mich sehr an Shigeru Mizukis Stil - und Mizuki ist definitiv oldschool.
Wie dem auch sei, Red Snake ist eine zusammenhängende Geschichte und damit ganz anders als der Ito-Band, und auch anders als Litschi Light Club. Jenes war mehr wie ein Theaterstück aufgebaut (Nähe zum Original und so), das hier ist mehr wie ein traditioneller Roman. Das Bild oben ist der Anfang, aber auch das Ende. Book-Ends sozusagen. Wer schon beim Anblick dieses Bilds denkt, da stimmt was nicht, der ist gut gerüstet, wenn das Übernatürliche einschlägt. Und wenn es das tut, wird es richtig bizarr. Und blutig. Und ekelhaft.
Also, da ist dieses furchtbar verfallene Haus, da wohnt eine Familie. Der Vater hat alle Hände voll zu tun, er züchtet Würmer, die er an Hühner verfüttert, damit diese möglichst viele Eier legen. Von den Eiern braucht er ganz viele. Er und seine Frau. Er braucht die Eier für seine alte Mutter. Die glaubt nämlich, sie sei ein Huhn, und brütet am liebsten Eier aus. Die müssen natürlich täglich gewechselt werden. Seine Frau wiederum braucht die Eier, um den Furunkel ihres Schwiegervaters zu behandeln, eine undankbare und ekelhafte Aufgabe. Dann sind da noch zwei Kinder: die ältere Schwester, die ein bisschen ZU begeistert mit den Würmern spielt. Und der jüngere Bruder. Der ist normal. Der normalste von allen. Und dann ist da noch ein Spiegel, den der Junge nicht anschauen darf. Unter keinen Umständen. Aber dann passiert es: er TRÄUMT davon, dass er in den Spiegel schaut, und das reicht, um das Übernatürliche ins Haus einzuladen. Und da geht's ab.
Die Bilder zeige ich euch aber nicht, es wird da mitunter ein wenig zu ekelhaft, sogar für mich. Und absurd. Sehr absurd. Ich schätze mal, das ist das japanische Verständnis von grotesk. Trotzdem würde ich es sogar weiterempfehlen, aber mehr davon? Hmmm, ich weiß nicht.
Und damit ist für mich die Lesenacht vorbei. Vielen Dank allen, die bis zuletzt dageblieben sind, ich hoffe, ihr hattet Spaß.
Sonntag, 15:55
Und für einen guten Abschluss hier noch die Auswertung:
1) Wie viele Mangabände hast du heute gelesen?
3
2) Welcher Manga(band) hat dir heute am besten gefallen?
Diesmal echt schwer zu sagen. Dank des Horror-Themas liegt der Fokus weniger auf einer guten Story. Gut gezeichnet waren sie alle. Ausnahmsweise lasse ich die Antwort heute mal aus.
3) Hat dich heute ein Manga enttäuscht?
Nein. Wo es keine besonderen Erwartungen gibt, kann man auch nicht enttäuscht werden.
4) Heutige Lieblingsszene?
Wenn ich wählen müsste, dann diese:
5) Das schönste/ interessanteste Cover, das du heute bei jemandem gesehen hast?
Hätte nicht gedacht, dass ich mal ein BL-Cover schön oder interessant finde, aber heute war's tatsächlich das von New York Minute, gelesen von Anna auf Fullmetal Note.
6) Hast du heute einen neuen Manga bei einem anderem Teilnehmer entdeckt?
Wie immer, nein.










Hallo!
AntwortenLöschenEs sieht wirklich gruselig bei dir aus....ich kann leider nicht so gut mit Horror. Hab aber die neue Sabrina Serie angeschaut, die ist mir nicht zu gruselig und kann ich weiter empfehlen. Es gibt dazu auch einen Comic, wobei die Serie auf dem Comic beruht^^
Wünsche dir noch viele gruselige Stunden!
Ani
Hi!
LöschenSchön, dass du Sabrina ansprichst - wusstest du, dass der Verlag der Comicserie, Archie Comics, einer der Begründer des Comics Code war, dieser Selbstzensur-Instanz, aufgrund derer die Comics das Stigma "Kinderzeug" bis heute nicht loswerden können?
Nein!
LöschenDu schockst mich heute immer wieder.
;D
Archie Comics war übrigens auch der letzte Verlag, der den Comics Code aufrecht erhalten hat, bis zum Januar 2011. Pünktlich zu einem kompletten Imagewechsel und zum Neustart neuer, "erwachsenerer" Archie-Ableger.
LöschenDie Serie "Riverdale" konnte übrigens überhaupt erst gedreht werden, weil Archie den Comics Code begraben hatte.
Hey Baphomehmet,
AntwortenLöschenschön, dass du es dieses Mal wieder geschafft hast. :) Die Litschi wollte ich mal als Anime schauen, aber es ist irgendwie nie dazu gekommen. Finde es cool, dass du heute Halloween zelebrierst, vielleicht klappt es ja irgendwann einmal mit einem richtigen Lesenacht-Special dazu, mal sehen. Da sind auf jeden Fall einige interessante Titel dabei. Als Horrorfan müsste ich eigentlich auch mal wieder mehr Horror lesen...
Liebe Grüße & viel Spaß noch!
Lena ♥
Hallo Lena!
LöschenDie genannten Autoren und Kazuo Umezu, von dem ich heute nichts da habe, scheinen wohl zu einer Art Horror-Elite zu zählen, also lag es nahe, sie irgendwann mal in einer Lesenacht vorzustellen. Heute klappt es eben aufgrund des Datums am besten.
Dann war es ihnen vorherbestimmt auf dem Wegwerfblog aufzutauchen - in der Tat. :D
LöschenUnd ich denke, ich werde Lychee Light Club wirklich mal lesen/ schauen, die Zeichnungen sind wirklich großartig und das Gruppenbild empfinde ich als harmlos. :P
LöschenIch rate da eher zum Manga, der Anime zieht sich selbst durch die Comedy ins Lächerliche. Wobei, auch eine Möglichkeit, mit dem Schaurigen umzugehen.
LöschenDanke für die Einschätzung. Nicht alles braucht einen Comic Relief. ^^'
LöschenHey :)
AntwortenLöschenDas sieht diesmal wirklich gruselig aus, aber es passt aktuell wirklich gut :)
Von deinen Lektüren kenne ich mal wieder keins - die meisten wären aber aufgrund des Horros/Grusels auch weniger was für mein Gemüt.
Ich pausiere heute mal, da ich gerade bei meinen Eltern bin und hier leider keine Mangas sind^^
Liebe Grüße und eine lesereiche Nacht :D
Andrea
Die meisten sind nicht alle - was wäre denn bei dieser Auswahl mehr was für dein Gemüt?
Löschenhuhu Baphomehmet,
AntwortenLöschenWow da hast du dir ja einige Grusel Mangas/Comics ausgesucht und ich wünsche dir auf jeden Fall, gruselige Lesestunden =)
LG Sheena
Hallo Sheena,
Löschenklappt bisher ganz gut. :)
Ihr hattet zwei Feiertage? Und ich nicht einen? Gemein xD
AntwortenLöschenUnd bei dir ist HorrorMangaNacht, gefällt mir sehr =D
Liebste Grüße
Vivka
Wir? Wir hatten einen. Ganz Deutschland hatte aber zwei.
LöschenBerlin hatte gar keinen xD
LöschenIch bin für eine Angleichung an Bayern, was die Feiertage für alle angeht ^^